Mit dem ILSE-Rufbus sicher zum Arzt - Pilotprojekt startet im September
Ein neuer Service von Praxisärzten und VVG soll die Mobilität und Lebensqualität der Menschen in der Modellregion Pasewalk verbessern
Ab dem 1. Oktober 2025 beginnt im Landkreis Vorpommern-Greifswald ein innovatives Pilotprojekt mit Modellcharakter. Der Rufbus ILSE wird erstmals gezielt mit Facharztterminen verknüpft. Ziel ist es, auch Menschen ohne eigenes Fahrzeug einen verlässlichen Zugang zur medizinischen Versorgung zu ermöglichen – wohnortnah, barrierefrei und bezahlbar. Die Terminplanung beginnt bereits im September. Die Mobilitätslösung wird in enger Zusammenarbeit mit der Verkehrsgesellschaft Vorpommern-Greifswald mbH (VVG) umgesetzt.
Initiatoren des Projekts sind ländliche Haus- und Fachärzte, die sich regelmäßig unter der Leitung der Penkuner Bürgermeisterin Antje Zibell zu Themen der Verbesserung der medizinischen Versorgung treffen sowie Koordinatorin Antje Hellwig von der VVG.
„Ich begrüße das außerordentliche Engagement aller Beteiligten bei diesem wegweisenden Pilotprojekt“, erklärte der Landrat des Landkreises Vorpommern-Greifswald, Michael Sack. „Der Rufbus ILSE ist ein Erfolgsprojekt made in Vorpommern-Greifswald. Wir sind Vorreiter und wollen perspektivisch zu einer flächendeckenden Einführung von ILSE kommen. Mobilität bedeutet soziale Teilhabe – weit über den Arztbesuch hinaus.“
Ein Bus, viele Möglichkeiten – wie das Projekt funktioniert
Patientinnen und Patienten vereinbaren einen Arzttermin in einer teilnehmenden Facharztpraxis in der sogenannten „ILSE-Zeit“. Gleichzeitig wird über die zentrale Rufnummer 0160-30 11 500 oder per E-Mail (buszumarzt@web.de) die Fahrt reserviert – hin zur Behandlung und zurück. Für einen Aufpreis von nur 1,- Euro fährt ILSE auf Wunsch bis zur eigenen Haustür zurück – ein besonderer Vorteil für ältere oder mobilitätseingeschränkte Menschen.
Die Fahrten erfolgen nach einem festen Wochenschema von Montag bis Donnerstag aus verschiedenen Regionen wie Krackow, Penkun, Strasburg, Ferdinandshof, Jatznick, Linken oder Löcknitz ins Mittelzentrum Pasewalk, wo die Facharztpraxen in Haltestellennähe angesiedelt sind.
„Die Erfolgsgeschichte von Mecklenburg-Vorpommerns erstem freien Rufbus ILSE geht weiter. Mit dem Arzt-Projekt setzen wir erneut Maßstäbe“, betonte Dirk Zabel, Geschäftsführer der VVG. „Unser Ziel ist es, unseren Rufbus flächendeckend im Landkreis Vorpommern-Greifswald anzubieten. Bereits im kommenden Jahr starten wir auf der Insel Usedom.“
Diese Fachärztinnen und Fachärzte machen mit
Am Pilotprojekt beteiligen sich mehrere Fachärztinnen und Fachärzte aus Pasewalk, die ihre medizinischen Angebote gezielt mit dem neuen Mobilitätsservice verknüpfen. Dazu zählen Dr. Christine Bahr und Prof. Dr. Marcus Dörr im Bereich Kardiologie und Angiologie, die Orthopäden Dr. Kirsten Rabeneck und Dr. Enrico Schaarschmidt, der Chirurg Dr. Uwe Kesselring sowie Dr. Birgit Mönke, Fachärztin für Pneumologie. Im Bereich der Augenheilkunde unterstützen Dr. Elke Stegemann und Nilufar Cogay das Projekt, während Silke Walther ihre gynäkologische und geburtshilfliche Praxis einbringt.
„Unser Testprojekt kann, wenn von unseren Patientinnen und Patienten angenommen, eine sinnvolle Verbesserung der Gesundheitsversorgung auf dem Land darstellen. Als niedergelassene Landärzte ergänzen wir damit unsere hochwertige medizinische Arbeit. Bei Erfolg kann das Projekt auf weitere Facharztstandorte ausgeweitet werden. Über die zielorientierte Zusammenarbeit mit der VVG bei der Projektvorbereitung sind wir sehr dankbar“, sagte die Pasewalker Medizinerin und Mitinitiatorin Dr. Christine Bahr.
Die Terminvergabe in diesen Praxen erfolgt abgestimmt innerhalb eines festen Zeitfensters, das auf die ILSE-Fahrpläne abgestimmt ist. In der Regel beträgt die Aufenthaltsdauer für die medizinische Behandlung etwa zwei Stunden. Direkt im Anschluss kann die Rückfahrt mit dem ILSE-Rufbus angetreten werden.
Wo wird informiert – und wer kann das nutzen?
Alle beteiligten Haus- und Facharztpraxen im Testgebiet informieren ab Mitte August mit entsprechenden Informationsmaterialien, unter anderem A5-Flyer, Bestellkärtchen zur Rufnummer, individuelle Streckenfahrpläne und auf A2-Plakate zum Aushang in den Wartebereichen. Darüber hinaus wird das Projekt in Amtsblättern und auf der 33. Leistungsschau „Messe für Vorpommern“ vom 29. August bis 31. August 2025 in Pasewalk der Öffentlichkeit vorgestellt.
Angesprochen sind vor allem Patienten aus dem ländlichen Raum, die keine eigene Fahrmöglichkeit haben. Sie sollen durch die einfache Buchung und verlässliche Hin- und Rückfahrt zur und von der Arztpraxis ein Stück Lebensqualität und Selbstständigkeit zurückerhalten.
ILSE – eine Erfolgsgeschichte mit Zukunft
Der On-Demand-Verkehr (dt.: auf Wunsch/bei Bedarf) stellt eine flexible Ergänzung zum klassischen Linienverkehr dar und kann insbesondere in ländlichen Regionen Versorgungslücken im ÖPNV schließen. Mit dem Ilse-Rufbus führte die VVG 2017 den ersten On-Demand-Verkehr in Mecklenburg-Vorpommern ein und setzte damit einen wichtigen Impuls für innovative Mobilitätsangebote im Flächenland. Seit 2024 ist das Angebot flächendeckend im Bediengebiet der VVG verfügbar und wurde auf den Samstagverkehr sowie kontaktloses Bezahlen ausgeweitet.
Die neue Anbindung an medizinische Angebote ist ein nächster logischer Schritt – und könnte künftig auch über den Pilotraum hinaus einmal mehr Modellcharakter für ganz Mecklenburg-Vorpommern entwickeln.
Text und Foto: Verkehrsgesellschaft Vorpommern-Greifswald mbH (VVG)