»Sepsis ist ein Notfall«: Landkreis und Universitätsmedizin Greifswald intensivieren Aufklärung über Sepsis
Die Sepsis – umgangssprachlich auch „Blutvergiftung“ genannt – ist ein medizinischer Notfall, der in der öffentlichen Wahrnehmung bislang oftmals hinter einem Herzinfarkt und einem Schlaganfall zurücksteht.
Dennoch ist das Thema von größter Bedeutung. Aus diesem Grund wurden heute in Greifswald deutschlandweit die ersten Rettungswagen mit dem Hinweis „Sepsis ist ein Notfall“ versehen. Mit dieser Maßnahme setzen der Landkreis Vorpommern-Greifswald und die Universitätsmedizin Greifswald ein Zeichen für mehr öffentliche Aufmerksamkeit und schnellere medizinische Hilfe bei Sepsisverdacht.
„Mit der heutigen Aktion wollen wir die Aufmerksamkeit für dieses wichtige Thema weiter steigern“, äußert sich Landrat Michael Sack. „Wir bringen das Thema Sepsis dorthin, wo es zählt – mitten in den Alltag, direkt vor die Augen der Menschen. Die Rettungswagen erreichen täglich zahlreiche Orte im Landkreis und werden von vielen Menschen wahrgenommen.“
PD Dr. Matthias Gründling, Intensivmediziner an der Universitätsmedizin Greifswald und Vorreiter bei der Verbesserung der Behandlung von Sepsis ergänzt: „Durch frühzeitiges Erkennen des Notfalles Sepsis und eine sofortige Behandlung können die Sterblichkeit reduziert und Langzeitfolgen vermieden werden. Der SepsisDialog der Universitätsmedizin Greifswald ist daher bereits seit mehreren Jahren auf diesem Gebiet aktiv.“
Die Sepsis ist die schwerste Verlaufsform einer Infektion und endet unbehandelt immer tödlich. Mindestens 230.000 Menschen erkranken jährlich in Deutschland an Sepsis, mindestens 85.000 sterben daran. In Deutschland sterben genauso viele Menschen an einer Sepsis wie an Schlaganfall und Herzinfarkt zusammen. Nach einer Sepsis leiden bis zu 75 % der Überlebenden unter Langzeit- und Spätfolgen, sogenannten Post-Sepsis-Symptomen wie z.B. Schlafstörungen, Schmerzen, posttraumatischen Belastungsstörungen, Merkfähigkeitsstörungen und Erschöpfung.
In der Kampagne #DeutschlandErkenntSepsis, welche vom Bundesministerium für Gesundheit finanziert und von Aktionsbündnis Patientensicherheit geleitet wird, beteiligen sich die Partner ebenfalls aktiv an der Bevölkerungsaufklärung. So wurden bereits im vergangenen Jahr in Mecklenburg-Vorpommern erstmalig in Deutschland Aufklärungsmaterialien an alle Hausarztpraxen und Apotheken verschickt. In der gemeinsamen Aktion an der Unimedizin packten Vorstandsmitglieder um Dekan Prof. Karlhans Endlich, Landesgesundheitsministerin Stefanie Drese, Landrat Michael Sack sowie Uni-Rektorin Prof. Katharina Riedel gemeinsam mit vielen anderen Freiwilligen über 1.000 Pakete für den Versand. Zusätzlich wird mit Kurzfilmen über die Erkrankung und ihre Früherkennung aufgeklärt (zu finden bei YouTube auf dem Kanal „SepsisDialog“).
Weitere Informationen zum Thema erhalten Interessierte beim SepsisDialog der Klinik für Anästhesie, Intensiv-, Notfall- und Schmerzmedizin der Universitätsmedizin Greifswald unter: www.sepsisakademie.de
Allgemeine Informationen zur Sepsis: https://www.deutschland-erkennt-sepsis.de/
Hintergrundinformationen:
Symptome einer Sepsis:
- starke Schmerzen, ein nie gekanntes Krankheitsgefühl
- Verwirrtheit, Wesensveränderung
- Atemnot, Kurzatmigkeit
- Herzrasen
- niedriger Blutdruck
- kalte, feuchte, fleckige Haut
- Besonders gefährdete Gruppen:
- Menschen mit chronischen Erkrankungen, z. B. der Lunge, Leber oder des Herzens
- Menschen mit geschwächtem Immunsystem, z. B. Diabetes-, Krebs-, Dialyse- oder AIDS-Patientinnen/Patienten
- Menschen ohne Milz
- Menschen über 60
- Schwangere Frauen und Mütter nach der Geburt
- Früh-, Neugeborene und Kinder bei fehlenden Impfungen, wie z. B. gegen Grippe, Pneumokokken oder COVID-19
- Menschen, die unter einer Mangelernährung leiden
- Menschen, die abhängig von Drogen oder Alkohol sind
- Menschen bei denen eine Operation noch nicht lange her ist (unter 4 Wochen)
- Menschen mit einer künstlichen Herzklappe oder Gelenken
- Menschen, die schon einmal an einer Sepsis erkrankt waren