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Haffküste
© Henry Beiermann / LK V-G 

Neugier auf die »Anderen«: Landkreis bietet Workshops zur Interkulturellen Kompetenz

In den vergangenen zwei Jahren sind viele Flüchtlinge in den Landkreis Vorpommern-Greifswald gekommen, darunter Kinder und Jugendliche, die hier zur Schule gehen. Oft lernen sie in separaten Klassen, in denen zunächst der Spracherwerb im Vordergrund steht. Viele von ihnen haben deshalb wenig oder gar keinen Kontakt zu einheimischen Schülern und Schülerinnen.

Dennoch gibt es Neugier und Interesse auf beiden Seiten, aber eben auch Unsicherheiten. Um diese abzubauen, bietet der Landkreis Vorpommern-Greifswald Workshops zur »Interkulturellen Kompetenz« an – in unseren Berufsschulen, in den Gymnasien, den Regionalen Schulen – auch in der G.L.-Th. Kosegarten-Schule in Wolgast.

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© Anke Radlof / LK V-G

Sie sitzen im Halbkreis – einheimische und syrische Mädchen und Jungen. Sie sind zwischen 12 und 16 Jahre alt, ein wenig still, aber auch aufmerksam und neugierig auf die jeweils »anderen«. Vor ihnen liegt eine Decke mit verschiedenen Gegenständen, eine Uhr, ein Kinderbuch, ein Geldschein, Schlüssel, eine Flöte, Freundschaftsbücher, Fotos und vieles mehr. Aufgabe ist es, dass jeder einen Gegenstand nimmt und eine Geschichte dazu über sich erzählt – auf Arabisch oder Deutsch. Dabei sind lustige Begebenheiten zu erfahren, von verlorenen Schlüsseln, einer ungeliebten Flöte, die am Ende zum Lieblingsinstrument wurde, Geschichten über Freundschaften aber auch über zerstörte Städte und Sehnsucht nach der Familie.

Die jungen Leute beschäftigen sich mit der Frage, was ihre eigene Kultur ist, wie sie durch diese geprägt werden und wie Menschen mit unterschiedlichen Kulturen und Sprachen miteinander ins Gespräch kommen können. Genutzt werden Methoden der informellen Jugendarbeit wie beispielsweise Rollenspiele, praktische Gruppenarbeiten, Diskussionen und Fragerunden. Die Workshops werden von erfahrenen Trainern für interkulturelle Kommunikation durchgeführt. Wenn nötig, unterstützen Sprachmittler die Workshops.

Ziel ist es, Raum für ungezwungene Begegnung zu schaffen und Berührungsängste abzubauen. Neugierig aufeinander zu machen, Unterschiede zu erklären und akzeptieren zu können und Anstoß für weitere Kontakte im Schulalltag oder in der Freizeit zu geben. Und nicht zuletzt sollen Vorurteile abgebaut werden.

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© Anke Radlof / LK V-G

»Das Interesse der Schülerinnen und Schüler an diesen Workshops ist sehr groß und der Austausch im Rahmen des Workshops wird als sehr schön empfunden«, fasst Jugendamtsleiterin Karina Kaiser erste Ergebnisse zusammen. »Es wurden bereits viele Gemeinsamkeiten hinsichtlich der Interessen entdeckt und gegenseitig heißt es, die sind ja nett und genau wie wir.« In Karlshagen beispielsweise hätten einige Teilnehmer aus der DaZ-Klasse (Deutsch als Zweitsprache) berichtet, dass es seit dem Workshop leichter ist, andere Mädchen und Jungen, insbesondere andere Workshop-Teilnehmer anzusprechen.

Projektträger ist das Jugendamt Vorpommern-Greifswald, hier die Stabstelle Agentur für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Gefördert und unterstützt werden die Workshops durch den Integrationsfonds Mecklenburg-Vorpommern und die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung. Insgesamt fanden und finden sechs Workshops an Schulen des Landkreises statt: Heinrich-Heine-Schule Karlshagen, G.L.-Th. Kosegarten-Schule Wolgast, Runge-Gymnasium Wolgast, Berufliche Schule Greifswald, Berufliche Schule Wolgast (12.06.) und Berufliche Schule Torgelow (13.06.).