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Haffküste
© Achim Froitzheim / LK V-G 

Blind am Steuer - Traum vom Autofahren wird in Peenemünde auf abgesperrter Strecke wahr

Blind sein und dennoch selbst ein Auto fahren – diesen Traum lassen engagierte Menschen im Ehrenamt seit nunmehr 16 Jahren auf dem Flugplatz Peenemünde auf der Insel Usedom wahr werden.

Ehrenamtler machen Event seit 16 Jahren möglich

Blinde und sehbehinderte Menschen erhalten dabei die Möglichkeit, selbst einmal ein Auto auf der abgesperrten Trainingsstrecke um den Kurs zu steuern oder als Sozius auf einem Motorrad mitzufahren. Was für jeden Einzelnen von uns eine Selbstverständlichkeit ist, bleibt ansonsten für diese Menschen meist nur ein Traum. Aber es werden nicht nur Träume erfüllt, sondern es geht vor allem darum, eventuelle Missverständnisse und Barrieren im persönlichen Umgang mit den Behinderten auszuräumen und besonders auf die gegenseitige Rücksichtnahme im Straßenverkehr aufmerksam zu machen.

Auch jeder sehende Besucher kann nämlich testen, wie es ist, mit verbundenen Augen Auto zu fahren und dabei im wahrsten Sinne des Wortes blindes Vertrauen zu seinem Beifahrer haben zu müssen.

Am Sonnabend, 30.Juni 2018, wird ab 12 Uhr das Fahrerlebnis erneut starten. Eröffnet wird die Veranstaltung auf dem Flugplatz Peenemünde vo Minister für Energie, Infrastruktur und Digitalisierung Christian Pegel und der Landrätin des Landkreises Vorpommern-Greifswald Dr. Barbara Syrbe. Ebenso wird ein Vertreter der Landesverkehrswacht Mecklenburg-Vorpommern e.V. vor Ort sein. Das diesjährige Rahmenprogramm umfasst eine Vorstellung von Hilfsmitteln für Blinde und Sehbehinderte von der Firma ALU aus Hamm und einen Parcours der Blindenführhundeschule Schubert und Wetzel aus Müncheberg. Mit dabei sind ebenfalls die Band "Seeside" aus Greifswald und der Tierpark Wolgast.

»Der tiefere Sinn des Lebens liegt im Miteinander«, betont Regine Hildebrandt führt mit ihrem Leitspruch auch alle Organisatoren dieser Veranstaltung jedes Jahr wieder aufs Neue zusammen. Es handelt sich dabei m eine Gemeinschaftsaktion des Landkreises Vorpommern-Greifswald, der Verkehrswacht Usedom-Peene e.V., dem Peenemünder Motorsport- und Verkehrsschulungs-verein e.V. und der Familie Löschke aus Wolgast.

Bis zu einhundert blinde oder sehschwache Frauen und Männer können, dank der vom Motorsport jährlich zur Verfügung gestellten Trainingsstrecke, kostenlos an diesem Event teilnehmen. Zahlreiche Mitglieder des Vereins stehen vor und während der Veranstaltung den Organisatoren zur Seite, um den Menschen mit Einschränkungen zu helfen und so ein unvergessliches Ereignis zu schaffen.

Motorsportler, die sonst die Trainingsstrecke nutzen, um ihre Fahrfähigkeiten zu trainieren und somit zur Erhöhung der Verkehrssicherheit auf unseren Straßen beitragen, stellen nun ihre Fahrzeuge zur Verfügung, um den Betroffenen eine Mitfahrt als Sozius zu ermöglichen.

Aber auch ohne die teilnehmenden Fahrschulen aus der Region und den Nachbarkreisen wäre die Veranstaltung nicht möglich. Sie sind in großer Zahl und völlig uneigennützig vertreten und so manch ein Unternehmen ist schon seit 16 Jahren – also von Anfang an - mit von der Partie.

Als Landrätin Dr. Barbara Syrbe im Jahr 2004 die Veranstaltung mit den Worten »Träume werden war« eröffnete, rechnete wohl keiner der Organisatoren damit, dass dieser Aktionstag so viele Jahre so regen Zuspruch erfährt und unter den Teilnehmer jedes Mal aufs Neue Begeisterung auslöst. Auch wenn die Organisatoren im nordöstlichsten Teil Deutschlands leben, kommen unsere Teilnehmer
mit ihren Begleitpersonen mittlerweile aus allen Bundesländern und fahren manchmal sehr weite Strecken, um dabeisein zu können.

Selbst am Rande der diesjährigen "SightCity"  in Frankfurt am Main (Europas größte Hilfsmittelmesse für Blinde und Sehbehinderte) wurde unter den Ausstellern über die Peenemünder Veranstaltung gesprochen, was alle Beteiligten natürlich sehr freut.